Die Form im Detail.
Die 43er Kompaktform besteht aus vier Teilen und 43 Bewegungsbildern. Sie beginnt mit der Vorbereitungsstellung und endet mit der Schlussstellung.

Eine Form. Ein ganzer Weg.
Weniger Bewegungen bedeuten nicht weniger Tiefe.
Die Kompaktform des Chen Xiaowang Taijiquan nach Jan Silberstorff reduziert die Bewegungen der Langform von 75 auf 43 Bilder, ohne Inhalte oder Qualität einzubüßen. Sämtliche Prinzipien und Bewegungsfolgen der Laojia Yilu bleiben erhalten.
Sie ist damit keine Kurzform im Sinne einer Vereinfachung. Herausgenommen wurden nahezu ausschließlich die Wiederholungen. Die Zeit für einen vollständigen Durchlauf halbiert sich ungefähr, der gesamte Bewegungsinhalt der Laojia wird weiterhin geübt.
Auch die Reihenfolge der Bewegungen bleibt mit der Langform identisch. Wer später die Langform erlernen möchte, muss nur noch einen kleinen Schritt gehen: Alle Bewegungen und ihre Abfolge sind bereits bekannt, es kommen lediglich die vertrauten Wiederholungen hinzu. Umgekehrt gilt das ebenso für Fortgeschrittene, die die Langform schon üben.
Struktur, Verwurzelung, Durchlässigkeit, Spiralbewegung und innere Verbindung werden nicht vereinfacht – sondern konzentriert erfahrbar.
- Struktur
- Verwurzelung
- Durchlässigkeit
- Spirale
- Verbindung
Die Essenz der Langform
Keine neue Form. Eine verkürzte Laojia.
Die Kompaktform bildet die Essenz der Langform und bleibt in ihrer Choreografie grundsätzlich mit ihr identisch. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu modernen Kurzformen: Diese sind zwar kürzer und meist vereinfacht, stellen jedoch häufig eigenständige Formen mit völlig anderer Choreografie und vermischten „Dialekten“ dar.
Für Anfängerinnen und Anfänger kann der spätere Übergang von einer solchen Kurzform zur Langform deshalb aufwendig sein. Bei der Kompaktform ist dieser Übergang erheblich einfacher.
Auch die traditionellen Bewegungskombinationen bleiben erhalten. Ursprünglich gehörten bestimmte Bewegungen zusammen und bildeten in sich geschlossene Kombinationen – moderne Kurzformen berücksichtigen diese Zusammenhänge häufig nicht mehr.
Die Kompaktform wurde so aufgebaut, dass im Wesentlichen alle diese ursprünglichen Strukturen erhalten bleiben. So kann auch in einer Gesellschaft, die kürzere Formen bevorzugt, das authentische Material für zukünftige Generationen bewahrt werden.
Warum überhaupt eine Kompaktform?
Das Taijiquan ist in den vergangenen rund 100 Jahren zunehmend langsamer geworden. Dadurch ist die klassische Form – unsere heutige Langform – zeitlich betrachtet immer länger geworden.
Das Ziel der Kompaktform ist ausdrücklich nicht, eine weitere vereinfachte Kurzform anzubieten. Für Menschen, die vereinfachte Bewegungen und kürzere Übungsfolgen erlernen möchten, bleiben die bestehenden Kurzformen hervorragend geeignet.
Die Kompaktform ist vielmehr eine Antwort auf die zunehmend verfeinerte und vertiefte Langsamkeit des Taijiquan. Sie schafft eine Form für die Zukunft, die wieder in einem angemessenen zeitlichen Rahmen geübt werden kann, ohne dabei Wesentliches zu verlieren.
Erste und zweite Form bleiben genau so bestehen, wie sie sind. Für Übende, die kein vereinfachtes Material trainieren möchten, Taijiquan aber nicht zum Mittelpunkt ihres Tages machen können, setzt die Kompaktform genau dazwischen an.
Langsam und weich. Oder explosiv und schnell.
Die Kompaktform kann vollständig langsam und weich ausgeführt werden, wie im Video gezeigt. Sie kann ebenso vollständig explosiv praktiziert werden. Damit enthält sie das Trainingsmaterial der ersten wie der zweiten Form – in gewisser Weise zwei Formen in einer Form.
Zu Beginn entscheidet der Übende, welchen Aspekt er trainieren möchte: durchgehend langsam, durchgehend explosiv oder in einer Form dazwischen.
So kann die Form von einer noch größeren Ruhe getragen werden, die für die geistige Entwicklung wesentlich ist – und gleichzeitig jederzeit wie ein Vulkan ausbrechen.
Ein praktischer Vorteil: Die Kompaktform benötigt lediglich etwa 2,5 m² Platz. Sie kann deshalb nahezu überall geübt werden.
- Eine kurze Form, die tatsächlich auf die Langform vorbereitet.
- Eine kompakte Form, die alles enthält und zugleich vollständig in sich geschlossen ist.
- Eine Form, die die Konzepte der ersten und der zweiten Form miteinander verbindet.
Eine Alternative zwischen Kurzform und Langform
Die Kompaktform verbindet beides: authentische Inhalte in einem an das moderne Leben angepassten zeitlichen Rahmen und zugleich ein durchgehend hohes Niveau, wie es das heutige Taijiquan in einer Qualität ermöglicht wie vielleicht nie zuvor.
Die zunehmende Verlangsamung schwächt die Leistungsfähigkeit des Systems keineswegs. Im Gegenteil: Sie ist eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was mit Chen Wangting begann, von Chen Changxing weiterentwickelt wurde und durch Chen Xiaowang in die Zukunft getragen wird.
Wer sich genauer für die Hintergründe der traditionellen Inhalte und Bewegungskombinationen interessiert, findet ausführliche Erläuterungen im 43-teiligen Webinar von Jan Silberstorff zur Laojia Yilu für WCTAG-Mitglieder – rund 120 Stunden Videomaterial.
43 Bewegungen.Und ein Weg zur 49er Form.
Die 43er Kompaktform besteht aus vier Teilen und 43 Bewegungsbildern.
Sie beginnt mit der Vorbereitungsstellung und führt über klassische Bilder des Chen-Taijiquan bis zur Schlussstellung – in derselben Reihenfolge wie die Laojia Yilu.
Mit einem zusätzlichen Modul lässt sich die Form von 43 auf 49 Bewegungen erweitern. In dieser erweiterten Variante ist auch die hohe Beinarbeit enthalten.
- Buddhas Wächter stampft mit dem Stößel
- Den Mantel befestigen
- Sechsmal versiegeln und viermal verschließen
- Die einzelne Peitsche
- Der weiße Kranich breitet seine Flügel aus
- Die Jadefrau wirft das Webschiffchen
- Der Goldene Hahn steht auf einem Bein
Die vollständige Bewegungsfolge
Alle 43 Bewegungsbilder sowie die zusätzlichen Module auf dem Weg zur 49er Form sind in einer Übersicht zusammengestellt – zum Nachlesen und Mitnehmen.
Die 43 Bewegungen im Video
Für Anfängerinnen und Anfänger ist die Abfolge leichter nachvollziehbar, wenn sie einmal ruhig und vollständig durchlaufen wird. Das Video zeigt die Kompaktform von der ersten bis zur letzten Bewegung – als Ergänzung zur Bewegungsliste, nicht als Ersatz für die Korrektur im Unterricht.

